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Betreuung ist mehr wert!
Was wäre unsere Gesellschaft ohne Menschen, die für andere da sind? In Erziehung und Pflege etwa leisten viele Außerordentliches. Dafür verdienen sie unsere höchste Wertschätzung. Fakt ist aber: Fast jede Arbeit wird besser bezahlt als der Dienst am Menschen. Die staatlich vorgegebenen Rahmenbedingungen der betreuenden Berufe sind mangelhaft. Gemeinsam mit Ihnen will ich sie verbessern. Dafür werbe ich mit meiner Kampagne "Betreuung ist mehr wert!".

 

 

 

 

Kinder brauchen eine neue Politik


(22. Juli 2013)

Zur Publikumsdiskussion meiner Kampagne "Betreuung ist mehr wert!" begrüßte ich heute sechs Podiumsgäste und mehr als 50 Besucher auf der Ebersberger Alm, darunter viele Kita-Leiterinnen. Die Probleme von Kindertageseinrichtungen sind allen bestens bekannt: Der aktuelle Fachkräftemangel ist extrem hoch und steigt weiter. Erzieherinnen und Erzieher kommen an ihre Grenzen – von Bildungsarbeit kann bald nicht mehr gesprochen werden. Dabei wird in den ersten acht Lebensjahren eines Kindes der Grundstock gelegt für eine gelingende Entwicklung und Bildung. Krippen, Kindergärten und Horte erfüllen heute eine enorme Bandbreite von Aufgaben. Sie ermöglichen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und sichern Unternehmen die Rückkehr gutausgebildeter Mitarbeiterinnen an den Arbeitsplatz. Um Bildung im Kita-Bereich so umsetzen zu können, wie es der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan vorsieht, brauchen wir mehr gutausgebildetes Personal. Ulrike Bittner, Kreisgeschäftsführerin der AWO: "Die Staatsregierung hat sich weder um eine Reform der Erzieherausbildung noch um die Schaffung von Ausbildungsplätzen gekümmert, obwohl auch ihr der Fachkräftemangel seit Jahren bekannt ist. Statt dessen gewährt sie ein Betreuungsgeld, das Kinder von Bildung fernhält. Betreuungsgeld ist kein Gegenwert für eine verlässliche und hochwertige Kindertagesbetreuung – vor allem für Kinder aus Familien, die damit überfordert sind."

Innerfamiliäre Umbrüche und Entwicklungsprobleme nehmen spürbar zu. "Für Eltern sind wir gefragte Erziehungsberater", so Bernd Fiegenspan, Leiter des Schülerhortes St. Sebastian in Ebersberg. "Wir leisten nicht nur Betreuung, sondern intensive Sozialarbeit. Dazu reicht die heutige Erzieherausbildung nicht aus. Bei uns teilen sich 61 Kinder fünfzig Plätze. Fünfzehn Prozent von ihnen sind extrem hilfebedürftig. Und die sogenannten "normalen" Kinder sind längst nicht mehr so normal, wie sich das viele vorstellen. Wir müssen auf Kinder und Eltern zugehen, sie nach ihren Sorgen fragen und ihnen zuhören, sie berühren. Es braucht eine echte zwischenmenschliche Beziehung, damit auch schwierige Kinder sich öffnen und lernen wollen."
Um diese Aufgabe zu stemmen, strebe ich den Ausbau von Betreuungseinrichtungen zu Familien-Kompetenzzentren an. In den Kitas der Zukunft wünsche ich uns multiprofessionelle Teams: Festangestellte Fachleute aus den Bereichen Logopädie, Heilpädagogik, Sozialpädagogik, Ergo- und Kunsttherapie können Pädagoginnen entlasten und ihnen dringend nötige Freiräume für ihre eigentlichen Kernaufgaben eröffnen.

Kitas sind schon heute stark im Umgang mit Interkulturalität und anderen Besonderheiten von Familien. Ingrid Kastner, Geschäftsführerin im Familienzentrum Poing: "Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit den Familien hat einen hohen Stellenwert. Wir sollten die Berufsbezeichnung Erzieher umbenennen in Vorschulpädagogen." Die Leiterin des integrativen Ebersberger Kinderhauses "Die Arche" Angela Lettl mahnte an, dass in Bayern für September 3400 Fachkräfte fehlen. Das mache sich auch im Landkreis deutlich bemerkbar. "Ich weiß heute noch nicht, ob ich ab September alle Stellen besetzen kann. Hier wäre es die Aufgabe der Staatsregierung gewesen, frühzeitig steuernd einzugreifen." Der Elternbeirätin Miranda Fruth, Mutter von drei Kindern, gelingt ihr "Alltagspuzzle" nur mit einer verlässlichen und hochwertigen Kindertagesbetreuung: "Ich will Familie, ich will Arbeit, und ich will Kinderbetreuung von hoher Qualität. Mehr Wertschätzung für den Erzieherberuf ist immens wichtig." Heike Tischler, Bürgermeisterkandidatin in Vaterstetten: "Für mich gehört es zu einer familienfreundlichen Gemeinde, für ausreichend Kita-Plätze zu sorgen. Leider wurde das in meiner Heimatgemeinde nicht zufriedenstellend gelöst."

In der lebhaften Diskussion schilderte eine Leiterin aus Kirchseeon ihr aktuelles Problem mit Ausfällen, die sie mangels Bewerbungen nicht ausgleichen kann. So führe die Erkrankung einer Mitarbeiterin direkt zur Überarbeitung ihrer Kolleginnen, was auch im Burnout enden könne. Ein junger Erzieher fügte an: "Wir sind zu nett zum Streiken. Eigentlich müssen die Eltern für uns auf die Barrikaden gehen."
Verantwortlich für die Misere des frühkindlichen Betreuungs- und Bildungssystems ist die Landespolitik. Der vom Gesetzgeber vorgegebene Personalschlüssel ist so niedrig, dass er heute oftmals nur eine Sicherstellung der Aufsichtspflicht und die Erfüllung der Grundbedürfnisse gestattet. Bildungs- und Erziehungsarbeit bleiben zunehmend auf der Strecke. Die vom Freistaat sträflich versäumte Ausbildung des nötigen Fachpersonals führt beim Ausbau von Kita-Plätzen zum Verzicht auf Qualität. Pädagogen können und wollen mehr!

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